"dann spüre ich jeweils für einen Moment..."

eine Landschaft, die (?) immer gleich, hinter der Fassade der monotonen Eintönigkeit, die brachiale Lust am Leben, dort, wo Fassaden Risse zeigen, Gucklöcher in eine Landschaft die aufbricht, durchbricht, einfällt in Wirklichkeiten, die zerbrechen, wenn du deinen spitzen Finger einfach draufdrückst, als ob du das Recht gepachtet hättest auf Einfluss...

dann bestürzt mich wiederum das Grau des Sees, der unter meinem Fenster vorbei zieht, im Zug, und die monotone Eintönigkeit wird mit einem Handschlag zum Versprechen, ein Leben ausserhalb zu führen, ausserhalb von dir - und doch gibt es kein Entrinnen, die Traurigkeit, die zwischen uns steht wie die Luft zum Atmen, Raum. Ein Hauch nur, eine Silbe ein Wort. Ich denke an die Unerschöpflichkeit dieses Sees, der nun, nach langer Fahrt und Leben, lau und petrolfarben schimmernd sich um mich legt wie ein samtener Mantel, masslos wärmend und still.

Dann jeweils spüre ich für einen Moment deine Hand auf meiner Schulter, deine Präsenz und dein Dasein legt sich nährend auf mich, Körper auf Körper.

Seesicht. Roman Signer *1938


Seesicht. Roman Signer *1938

Zug

Bild: Dolores Linggi


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