eine Botschaft der Nacht 

als ich heute Morgen in den vollbesetzten 

Zug steigen will, spür ich die Nacht hinter

mir, heftig atmend und haltlos. hab ich was 

vergessen? frag ich sie schweigend. oder 

wie begründest du sonst, dass du mir in den

Tag folgst? noch dazu im schönsten Samtkleid, 

dunkelblau. nachtschwarz,so weich gezeichnet

als wäre es aus Puderpigment, mit einer 

sogartigenTiefe.

die Nacht schweigt. 

im Zug setze ich mich zwischen stille Blicke

und schweigende Lippen. meine, die Nacht

wird schon gehen, zurück in meinen Traum,

oder ist es umgekehrt?

noch drängt der letzte Hauch von innen

gegen meine Augenlider.

und plötzlich weiss ich nicht mehr, ob Licht

immer angebracht ist. weisst du, was dieser

Traum in den Tag bringen wird? was, wenn es

jene Ungeheuerlichkeiten sind, 

die besser unausgesprochen

bleiben, im Schutz der Nacht.

bewahrt und geborgen 

und versteckt.

© 2016 Dolores Linggi | Web stehaltiner.ch